Die Zukunft hat eine Adresse

Wird’s besser? Wird’s schlimmer?, fragte schon Erich Kästner. Zukunftsforscher versuchen Trends zu erahnen und Prognosen zu erstellen, die allesamt nicht neu sind, und das wüssten die Herr- und Damenschaften auch, hätten sie sich jemals in die Neue-Welt-Gasse im 13. Wiener Gemeindebezirk bequemt, wo die Zukunft zu Hause ist: Die Villa Fantastica.

Die Villa Fantastica ist eine Bibliothek, in der von A bis Z Literatur gehortet wird, die sich mit Utopien und der Zukunft beschäftigt, die gemeinhin als „Science Fiction“ bezeichnet wird. Neben der deutschsprachigen Sammlung gibt es jede Menge Literatur in anderen Sprachen.

Science Fiction wird gern in die Schmuddelecke geschoben und mit spitzen Fingern angefasst, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ich erinnere mich noch gut, als ich in einem Buchladen nach Ray Bradbury fragte und die Inaberin mit steinernem Gesicht erklärte, bei ihr gäbe es nur „Literatur“.

Völlig zu unrecht, wie ich als begeisterte Science-Fiction-Leserin finde. Alles, was irgendwelche Kristalkugelleser und Kartenleger daherschwurbeln, hat schon mindestens ein Science-Fiction-Autor 10-50 Jahre zuvor aufgearbeitet, oft besser und umfangreicher als die „Fachleute der Trendforschung“.

Sicher, es gibt auch echten Schund im Genre. Manchmal lese ich auch solche Bücher mit großer Begeisterung. Denn eins darf man bei Science-Fiction nicht vergessen: Noch viel mehr als über die Zukunft sagt sie aus über die Zeit, in der sie geschrieben wurde. Man erfährt, wie die Menschen der jeweiligen Zeit sich die Zukunft vorgestellt haben, aber auch, wie die Gesellschaft damals funktionierte.

Mit der Wissenschaft muss man da gelegentlich fünf gerade sein lassen. Manchmal werden dschungelhafte Venuswelten beschrieben, die es, wie wir heute wissen, nicht geben kann. Bei Perry Rhodan ahnte man manches voraus, aber dummerweise nicht, dass es eines Tages Internet geben würde. Manchmal überholen neue Erkenntnisse ohne um Erlaubnis zu fragen einfach rechts. Manchmal aber darf man auch hoffen, dass Dinge (Wurmlöcher … Tachyonen … Hoverboards …) vielleicht noch entdeckt werden.

Und von manchen Dingen darf man getrost erwarten, dass es sie gibt, und dass sie funktionieren, ohne dass man sie näher erklären müsste. Wie langweilig wäre ein Roman, in dem die Funktion eines Ottomotors erklärt werden muss, nur weil eine Dame ihren Schwarm mit einem Sportwagen abholt? Eben. Futuristische Technologie funktioniert einfach, keine Sau keine Leserin interessiert, wieso.

Die Bibliothek ist dienstag, donnerstags und samstags geöffnet, Besuch: wärmstens empfohlen!

Info: www.villafantastica.com

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