Der Große Wagen

Sterne beobachten ist in der Stadt schwierig, besonders wenn man die Sternbilder (noch) nicht kennt. Nur die hellsten Sterne sind überhaupt sichtbar. Weil die meisten Sternbilder nur zum Teil aus hellen Sternen bestehen, bleiben wenige übrig, die man auch in der Stadt gut erkennen kann.

Zum Glück bleiben einige übrig, darunter Orion, Kassiopeia und der Große Wagen. Orion ist gut im Winter beobachtbar, der Großen Wagen und Kassiopeia sind „zirkumpolar“, das bedeutet: sie stehen in Mitteleuropa immer über dem Horizont, weil sie in relativ nahe am Himmelsnordpol liegen. Oder anders gesagt: Wir können sie das ganze Jahr über zu jeder Nachtzeit beobachten.

Der Große Wagen besteht aus den hellsten Sternen des Sternbildes Ursa Major („Große Bärin“), was gelegentlich zu Verwirrung führt. Ursa Major ist ein Sternbild, der Große Wagen ist „nur“ ein Asterismus (eine Sterngruppe), in den USA wird er als „Big Dipper“ bezeichnet.

Für erste Schritte am Sternenhimmel ist der Große Wagen gut geeignet, weil relativ leicht zu finden. Man suche einen möglichst dunklen Ort, zum Beispiel einen Park, wo man freie Sicht nach Norden hat. Der Große Wagen steht immer ungefähr Richtung Norden – mal weiter westlich, mal weiter östlich, aber nie weit vom Himmelsnordpol – dem Polarstern – entfernt.

An sich könnte man bei dieser gut erkennbaren Sternengruppe einfach sein Glück versuchen, aber leichter ist es, wenn man weiß, ob die Sterne gerade richtig rum oder kopfüber am Himmel stehen.

Das findet man mit einer drehbaren Sternkarte heraus. Eine drehbare Sternkarte zeigt den gesamten Himmel einer Erdhalbkugel (es gibt auch Sternkarten für den Südhimmel), wir können aber immer nur einen Teil davon sehen, der Rest wird von der Erde verdeckt, und der Teil, wo gerade die Sonne steht, ist ebenfalls unsichtbar. Der zweite Teil der Sternkarte – eine drehbare Maske – zeigt den aktuell sichtbaren Himmelsausschnitt.

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Dieses Foto entstand im Sommer spätabends auf dem Balkon. Über dem Großen Wagen sind die drei hellsten Sterne des Kleinen Wagens sichtbar, dieser ist ein Teil des Sternbildes Ursa Minor („kleiner Bär“). Mehr ist in der Stadt leider nicht erkennbar. Aber immerhin der Polarstern, der ruhende Himmelsnordpol, der immer (fast) an derselben Stelle steht.

Besonderheiten des Großen Wagens: Der mittlere Deichselstern, der den Knick nach oben bildet, ist doppelt. Es sind die Sterne Mizar und Alkor. Beide sind für sich genommen ebenfalls Doppelsterne. Ob auch die beiden Sterne zu einem gemeinsamen Sternsystem gehören, ist nicht sicher. Wer gute Augen hat, kann Alkor, das „Reiterlein“, ohne optisches Hilfsmittel als eigenen Stern erkennen. Mit einem kleinen Fernglas sieht man beide Sterne getrennt.

Der Große Wagen führt zum Polarstern, wenn man die beiden hinteren Sterne des Kastens 5x verlängert – das ist auf dem Foto oben gut erkennbar.

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